Mittwoch, 16. Dezember 2015

Advent, Advent...

Bald ist sie wieder rum, diese ach so beschauliche Zeit. Nun ja. Meist ist diese Zeit doch alles, aber nicht beschaulich. Man hetzt von einer Weihnachtsfeier zur anderen, grübelt über Geschenken und aus lauter Verlegenheit bemüht man dann Amazon um den 19. Dezember doch noch einmal... Es werden Unmengen an Plätzchen gebacken, Geschenke für die Großeltern gebastelt, alles dekoriert und auf Hochglanz gebracht... Und es gibt noch so viel mehr, was diese "besinnliche" Zeit an unheiliger Vorbereitung für einen Tag, den man mit galaktischer Erwartungshaltung herbei sehnt, bereit hält.

Im Advent tragen wir in uns das Gefühl weihnachtlicher Unzulänglichkeit. So wenig hat die Realität mit unserer Vorstellung gemein. So wenig fühlt es sich in uns an wie WEIHNACHTEN. Mitunter hat man nur noch den Wunsch, dass es irgendwie vorbei ist. Damit man sich im nächsten Jahr wieder besinnlich und weihnachtlich fühlen kann. Um dann aufs neue enttäuscht zu werden.

Doch dieses Jahr mach ich das nicht mit! Ich will mich nicht abhetzen, ich will keine weihnachtliche Atmosphäre herstellen, die ich nicht schon in mir trage. Ich möchte keine "Schuldgefühle" ob mangelnder Besinnlichkeit. Ich möchte keinen Stress und Aufschub mit meinen Plänen für den Advent.

Ich möchte einfach reine Erwartung auf dieses reine Fest. Ohne Bohai. Ohne viel äußerlichen Schmuck.

Schlicht mit dem Glanz, der diesen Geschehnissen ohnehin schon inne wohnt.

Schlicht. Nur die Traditionen pflegen, die uns bisher gut getan haben. Keine Sonderaktionen, keine Inventionen. Nur die pure weihnachtliche Essenz.

Was nutzt der Prunk, wenn ich mich gehetzt fühle? Kann ich meinen Kindern so das weihnachtliche Gefühl in die Seele legen? Denn was macht Weihnachten denn aus?

Die wunderschönen Fenstersterne, die ich all die Jahre auf den letzten Drücker gebastelt habe? Die 6 Plätzchensorten, von denen die Hälfte so um Karneval im Keller wiedergefunden und in schamhafter Heimlichkeit entsorgt wurde? Den äußeren Ansprüchen (ob real oder eingebildet), denen man widerspenstig versuchte gerecht zu werden?

Nein. Das alles hat schon lange keine Weihnachtsgefühle mehr bei mir verursacht. Nur Stress, Hektik, Erschöpfung und Frustration. Wie weihnachtlich.

Doch dieses Jahr mache ich das nicht mit!

Mehr Zeit miteinander. Ob mit Kerzchen und (gekauftem) Lebkuchen. Oder ohne. Ohne ist es auch vollkommen ok. Einfach in Ruhe Zeit miteinander verbringen. Der Nikolaus hat uns ein neues Gesellschaftsspiel gebracht. Das genießen wir momentan ganz bewusst. Manchmal brennt derweil der Adventskranz. Manchmal auch nicht. Einen ganzen Sonntag GARNICHTS tun. Kein Weihnachtsmarkt, kein Winterspaziergang. Gemeinsam im Wohnzimmer vor uns hinlümmeln, ein wenig spielen, ein wenig stricken, ein wenig lachen. ZEIT! Gemeinsam. Das ist doch Weihnachten.

Deshalb gibt es auch recht wenig zu zeigen. Nur unsere essentiellen Traditionen. Ich habe in diesem Advent weder gebastelt noch gebacken (das hat mein Mann getan).


Ohne Adventskranz geht natürlich garnichts. Aber da binde und schmücke ich schon seit einiger Zeit keinen Kranz mehr aus Tannengrün mit dicken Kerzen. Ich habe kleine Blumentöpfchen mit einem Gemisch aus Sand und Kleister gefüllt, die als Halter für normale (Bienenwachs)Tafelkerzen dienen. Das schmücke ich mit Moos aus dem Garten (nicht aus dem Wald entnehmen, weil lebendige Pflanze und so). Ich mag die Tafelkerzen gerade so, weil man immer wieder eine neue nehmen kann, wenn eine herunter gebrannt ist. Hinterher hat man keine halb angebrannten Kerzen, die man irgendwie doch nicht mehr nutzen kann. Die Stummel nutze ich noch beim Abendessen auf dem Esstisch. Gekauft habe ich die Kerzen beim lokalen Imker.

 
Der Adventskranz steht mit auf unserem Krippenweg. Hier wandern Maria und Josef den ganzen Advent über bis hin zur Krippe. Wenn ich dran denke, kommen neue Sterne auf den dunklen Himmel. Ich habe diesen Advent noch nicht so oft daran gedacht...




Die Adventskalender der Kinder habe ich selbst gestickt. Jedes Jahr fülle ich sie neu. Im Adventskalender haben die Kinder abwechselnd einen von mir getöpferten Stern. Dieser wird an einem Ast im Kinderzimmer vorm Fenster aufgehangen. Am Heiligen Abend nimmt das Christkind die Sterne von diesem Ast ab und hängt sie an den Christbaum.


PS: Müde und ein wenig geschafft bin ich diesen Advent natürlich auch. Aber nicht so schlimm wie sonst. Vor allem fühle ich mich nicht unzulänglich, was Weihnachtsgefühle anbelangt. Simplify!

Kommentare:

  1. Oh wow, liebe Hannah, du sprichst mir so ganz und gar aus der Seele!! Genau so geht es mir auch und genauso handhabe ich das jetzt auch!! Im letzten Jahr hab ich ganz deutlich erfahren müssen, dass es auch anders geht. Zwei Tage vor Weihnachten wurde ich hochschwanger plötzlich zur Bettruhe gezwungen. Nichts war fertig für das Fest. Ich musste mich von meinem falschen Perfektionismus und Erwartungen lösen. Es war hart, aber eine gute Lektion. Und dieses Jahr bin ich schon vom 1. Advent an ohne Erwartungen rangegangen. So eine Erlösung!!
    Viele liebe Grüsse und danke dir für deine Worte!
    Diana
    P.S. Lebkuchen vom letzten Jahr hab ich vor drei Wochen gefunden und heimlich entsorgt. Ohje.

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    1. Liebe Diana,
      Perfektionismus ist mein Kryptonit... Ganz fürchterlich. Aber ich werde jeden Tag ein wenig besser darin, die Dinge gelassener anzugehen. Schrittchen für Schrittchen.
      Uns hat letztes Jahr auch eine Erkrankung in der Familie gezwungen, Weihnachten etwas langsamer angehen zu lassen. Zuerst war es ganz merkwürdig. Aber eigentlich war es wirklich gut. Es war schwer, nicht wieder in alte Verhaltensmuster zurück zu fallen, sondern die Lehre aus dem letzen Jahr mit in diesen Advent zu nehmen.

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  2. Ach und noch etwas: Die gestickten Adventskalender sind wunderschön!!

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