Donnerstag, 24. September 2015

Jahreszeitentisch im Herbst

Für unseren Herbstjahrezeitentisch hatte ich Lust auf andere Farben. Meist ist das hellgelbe Seidentuch, welches auch unseren sommerlichen Jahreszeitentisch geziert hat, die Basis für die weitere Gestaltung. Schlicht, weil es das größte Seidentuch ist, das wir haben. Hinzu kommt, dass dieses helle Gelb sehr vielseitig eingesetzt werden kann. Im Frühjahr mit hellem Grün, im Sommer mit Blau und kräftigen anderen kalten Farben, im Herbst mit Rot und Orange.

Aber irgendwann muss etwas neues her. Da ich in einer Facebook-Gruppe von einer Veganerin kleine Fläschchen mit Cochenille, Krapp und Blauholz geschenkt bekommen habe (sie wollte verständlicherweise die Cochenille-Läuse nicht verwenden), lag es nahe, diese endlich einmal zu nutzen. Die Menge sollte für jeweils ein Seidentuch reichen. Da die Cochenille sehr ergiebig ist, konnte ich mit dieser noch etwas Wolle färben.

Ich besitze zwar das wunderbare Buch "Naturfarben auf Wolle und Seide" von Dorothea Fischer, färbe aber bisher kaum nach Anleitung. So oft habe ich noch nicht mit Pflanzen (oder Läusen) gefärbt und finde es faszinierend, wie die Farbstoffe auf unterschiedliche Bedingungen reagieren. Je nachdem, ob man die Färbeflotte eher sauer oder basisch gestaltet, kann man aus der gleichen Färbedroge ganz unterschiedliche Farbtöne und -nuancen erhalten. Faszinierend.

Für diese Färbeaktion habe ich zunächst Krapp und Cochenille gemahlen und über Nacht in Wasser einweichen gelassen. Das Färbegut habe ich mit 15% Alaun vorgebeizt.


In einem kleinen Topf habe ich mit dem Krapp eines der Seidentücher als Kontaktfärbung gefärbt. Nach und nach habe ich zu dem Krappwasser noch etwas von der Cochenille-Flotte hinzugegeben, einfach, um zu gucken, was passiert.


Den ersten Zug in der Cochenille-Flotte habe ich ohne weitere Zusätze auf 50g Wolle und ein Seidentuch gefärbt.


Es sah ein wenig aus, als würde ich Rotkohl kochen.


Auf die Seiden zogen die Farben ganz wunderbar pastellig auf. Zwar waren hier und da Unebenheiten in der Färbung, aber das ist ja das Schöne am Selbermachen. Nichts muss perfekt sein, alles darf seine Lebendigkeit behalten. Durch die Kontaktfärbung hatte das Krapp-Seidentuch hier und da kleine dunklere Sprenkler. Das sieht auch ganz apart aus.

Für den zweiten Zug der Cochenille kam das Experimentier-Kind in mir durch. Ich kippte eine Tütchen Weinsteinbackpulver in die Flotte. Bumm - es wurde KNALLPINK! Sehr genial.


Auf die Wolle zog aber auch dieser Farbton sehr augenschonend und natürlich auf. Hier sieht man den ersten und den zweiten Zug im Vergleich. Was aus diesen beiden Strängen wird, wird noch nicht verraten... Denn ich habe da in den letzten Tagen einen Spezialauftrag von Frau Tochter bekommen....

Das Krapp-Seidentuch wurde aber noch am gleichen Tag seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt - als Basis unseres Jahreszeitentisches für den Herbst.


Weiter dekoriert habe ich mit kleineren Seidentüchern meiner Rotholz-Experimente (auch sehr spannend!) und den umfilzten Kastanien. Mutter Erde und eine hübsche Postkarte müssen sowieso auf jeden Jahreszeitentisch. Und ein winzig kleiner Igel ist mir dann noch fix von den Nadeln gehüpft.


Ist dernicht zuckersüß? Die Anleitung gibt es bei "we bloom here". Gestrickt habe ich ihn aus brauner Alpaca von Drops (doppelfädig) und etwas grauer Merino (dünn) von Finkhof.

Kommentare:

  1. beautiful yarn and I adore your little hedgehog!!! so sweet :)

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  2. Die Tücher und die Wolle sind ganz toll geworden. Und Euer Jahreszeitentisch schaut wunderschön aus!
    Liebe Grüße,
    Katja

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  3. Wow! Die Farben sind wieder sehr schön geworden!!! Gefällt mir wirklich richtig gut!

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  4. Hat wirklich gut geklappt und der Tisch ist sehr schön so. Wir haben auch diese Postkarte, aber bisher sieht es hier noch nicht so herbstlich aus, und ich habe sie noch nicht rausgeholt.

    Ich habe mich über das Wort "apart" in der Beschreibung oben sehr gefreut. Das hat immer meine Großmutter gesagt, doch ist sie leider schon seit acht Jahren verstorben.

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    1. Danke dir. Ich liebe diese alten feinen Wörter so.

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  5. ein sehr schöner und schlichter Jahreszeitentisch!

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